Zu den wichtigsten Highlights der auf der Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR) vorgestellten neuen Daten gehörte die Suche nach Ansätzen für eine personalisierte Behandlung von Rheumapatienten und assoziierten Immunerkrankungen.
Dabei ruhen die Hoffnungen vor allem auf Biomarkern als „therapeutische Wegweiser“. Dabei gehen die Prognosen, wann und in welchem Umfang man mit praxisreifen Lösungen rechnen kann, noch weit auseinander.
Zukunftsmusik.
Einig sind sich die Experten darin, dass Entscheidungsparameter für Therapieansätze, die auf das individuelle Erkrankungsbild zugeschnitten sind, noch Zukunftsmusik bleiben. Viele der Biomarker sind eher Verlaufsparameter zur Überprüfung, ob der Patient von der Therapie profitiert. Angesichts der hohen Kosten für die modernen Antikörper und „Small Molecules“ ist dies aber ein wichtiger Fortschritt so EULAR-Präsident Prof. Dr. Paul Emery, Leeds.
„Konfektionsgröße“.
Ein realistischer Ansatz sind Prädiktoren nicht für einzelne Patienten, sondern für bestimmte Subgruppen – also eher im Sinne einer therapeutischen „Konfektionsgröße“.
Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) fand man bei einer Auswertung von 105 Kandidaten-Serum-Biomarkern bei 160 RA-Patienten nach fünf Jahren Follow-up ein Set von 51 Biomarkern mit einer hohen Voraussagewahrscheinlichkeit für den klinischen Outcome im DAS28 und die radiologisch nachweisbare Progression. Diese Daten bestätigen Studien, nach denen eine prädiktive Aussage eher auf der Basis eines Sets von Biomarkern möglich ist als durch einen Parameter allein. Für eine erste Diagnosesicherung der RA in der haus- und fachärztlichen Praxis empfiehlt sich die Kombination von Antikörpern gegen CCP plus Interleukin 6. Dies ergab eine Auswertung bei 1.344 Patienten.
Bei der Osteoarthrose (OA) vertraut man inzwischen eher der Radiologie. Bei der Knie-OA zeigen Veränderungen von vordefinierten Femur- und Tibia-Arealen die Progression an und korrelieren auch mit den WOMAC-Schmerzscores.
Neue Erkenntnisse über prädiktive Marker gibt es auch zunehmend bei selteneren Autoimmunerkrankungen wie etwa der SLE, der Polymyositis oder der Dermatomyositis.
Dr. Alexander Kretzschmar
Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR), 16.–19. Juni 2010, Rom, Italien
Shen Y et al. Ann Rheum Dis 2010; 69(Suppl 3):674, Abstract AB0215
Wild N et al. Ann Rheum Dis 2007;66(Suppl 2):342, Abstract FRI0202
Bowes M et al. Ann Rheum Dis 2010;69(Suppl 3):107, Abstract OP0160





