Der Salzburger Umweltmediziner Dr. Gerd Oberfeld liefert brisante Daten zum heiß diskutierten Thema „Welche Gesundheitsgefahren birgt die mobile Kommunikation?“.
Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen belegen seit Jahrzehnten, dass neben Stromschlägen und Hitzewirkungen eine Vielzahl weiterer biologischer und gesundheitlicher Folgen des Elektrosmogs besteht. Die meisten Ärzte - und bis vor wenigen Jahren ich selbst - wussten davon nichts. Ausgelöst durch die Diskussionen um Auswirkungen von Mobilfunksendern, Mobiltelefonen und DECT-Schnurlostelefonen wird nun nach und nach bewusst, wie dieses Thema von den maßgeblichen Kreisen der Industrie heruntergespielt wird. Doch immer mehr Menschen klagen über zum Teil schwerwiegende Gesundheitsprobleme, die sie Mobilfunksendeanlagen zuschreiben. Dazu zählen Kurzzeitgedächtnisstörungen, Gefühl einer inneren Unruhe, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Antriebslosigkeit, Energiemangel, Schlafstörungen etc. Diese Beschwerden decken sich mit den wissenschaftlichen Untersuchungen zu hochfrequenten Strahlen. Im folgenden Beitrag werden epidemiologische Befunde zu Mobilfunksendeanlagen vorgestellt und kommentiert, da solche Befunde einen unmittelbaren Überblick über auftretende Symptome ermöglichen. Diese Ergebnisse werden durch Arbeiten zu Expositionen bei Radar- und Rundfunkanlagen unterstützt.
So genannte „negative Studien“.
Untersuchungen zu Wirkungen der Mobiltelefone zeigen u.a. erhöhte Risiken für gewisse Kopftumoren. Als Gegenargument wird hier häufig eine unzureichende Evidenz aus Tierversuchen angeführt, doch es lohnt sich, jene Studien genauer anzusehen. Eine Analyse der so genannten negativen Langzeitstudien von mit Hochfrequenz bestrahlten Versuchstieren zeigte generell erhöhte Tumorrisiken. Da die Zahl der Versuchstiere jedoch meist um den Faktor 2 zu gering war, ergaben sich keine signifikanten Ergebnisse, was dann oft fälschlich als „negative Studien“ dargestellt wurde. Tierversuche zeigen zudem, dass es nach zwei Stunden Bestrahlung mit 2.450MHz zu Einzel- und Doppelstrangbrüchen bei Chromosomen kommt (diese konnten durch Verabreichung von Melatonin verhindert werden). Damit ist der Begriff der unschlüssigen Evidenz bei Tierversuchen als obsolet anzusehen.
Auch wenn die Exposition beim Mobiltelefon deutlich höher ist als bei Mobilfunk- Basisstationen, zeigen sich derzeit die massiveren Auswirkungen bei letzteren. Der Hauptgrund dafür liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit in der längeren Expositionsdauer und der fehlenden Erholungsmöglichkeit für den Organismus.
1.Technische Eigenschaften
Mobilfunk-Basisstationen senden derzeit für GSM im Bereich 935-960MHz und 1.805- 1.880MHz sowie bei UMTS im Bereich 1.920-2.170MHz. Die abgestrahlten elektromagnetischen Wellen pflanzen sich im Raum fort und haben quasioptische Eigenschaften wie Reflexion an hochleitfähigen Oberflächen oder Beugung an Kanten.
1.1 Expositionswerte
Neben der elektrischen Feldstärke in V/m wird die Exposition als Leistungsflussdichte in W/m2 bzw. µW/m2 angegeben. In Gebäuden ist je nach Baumaterial und der Lage zur Antenne die Exposition im Mittel um den Faktor 10 geringer als im Freien. Bei Metallfassaden mit Wärmeschutzgläsern findet sich eine Reduktion bis zum Faktor 1.000. Bei Dachwohnungen mit Ziegel- oder Eterniteindeckung ohne Aludampfbremse findet sich keine relevante Dämpfung. Die Expositionen für GSM Einstrahlungen von Basisstationen streuen daher in einem weiten Bereich von einigen 100mW/m2 bis unter 0,01µW/m2. Ein Großteil der Wohnungen in Österreich hat Expositionswerte im Bereich von 0,1-1.000µW/m2.
1.2 Andere Quellen
Hochfrequente elektromagnetische Wellen werden u. a. auch von Rundfunk- und Fernsehsendern, Mobiltelefonen, Schnurlostelefonen (CT1, DECT/GAP), Bluetooth, WLAN, Radaranlagen, Richtfunk und Mikrowellenherden abgestrahlt.
2. Wirkungsuntersuchungen
In einer Zusammenstellung von Arbeiten zur Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Wellen (Sage C, 2000) wird die Evidenz für schädliche Auswirkungen in folgenden Bereichen dargestellt: Effekte auf das genetische Material (DNA), chromosomale Schäden und Mikrokern-Bildung, Effekte auf die Ornithindecarboxylase (ODC), Gentranskription und -induktion, Stressreaktion (Hitzeschockproteine), Effekte auf zellulärer Ebene (Kalzium-Ionen), zelluläre Effekte am Immunsystem, Blut-Hirn-Schranke, Blutdruck, Geschlechtsorgane, Kanzerogenese, subjektive Symptome bei Benutzern von Mobiltelefonen, neurologische Effekte, Störungen bei Neurotransmittern, Augenschädigungen, Verhaltensänderungen, Lernfähigkeit/Gedächtnis, kognitive Funktionen und Schlaf.
Wahrscheinliches Krankheitsrisiko.
Auf der Basis der vorhandenen Literatur zu elektromagnetischen Wellen kommt Neil Cherry zu dem Schluss, dass elektromagnetische Strahlung etwa von Mobilfunksendeanlagen ein wahrscheinlicher Risikofaktor für nachfolgende Krankheiten ist: Krebs (insbesondere Gehirntumoren und Leukämie, aber auch andere Krebsarten), Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, neurologische Effekte inklusive Schlafstörungen, Lernschwierigkeiten, Depressionen und Suizide, Fehlgeburten und Fehlbildungen (Cherry N, 2000).
3. Studien zu Mobilfunksendeanlagen
Zur Frage des Zusammenhangs zwischen Mobilfunk-Basisstationen und direkten Gesundheitseffekten gibt es derzeit zumindest fünf epidemiologische Arbeiten sowie eine experimentelle Arbeit zur Kurzzeitexposition.
3.1 Entfernungsabhängige Beschwerden
Ein Fragebogen zu 18 unspezifischen Krankheitssymptomen wurde an Personen versendet, die sich auf einen Aufruf zur Teilnahme hin gemeldet hatten (Santini R, 2002). Die dabei verwendete Selbstselektion führt dazu, dass sich eher Personen melden, die Beschwerden durch Mobilfunksendeanlagen vermuten. Dies hat den Nachteil, dass eine Übertragung auf die Gesamtbevölkerung quantitativ nicht möglich ist. Es schafft jedoch den Vorteil, dass Effekte eher entdeckt werden. Das mittlere Alter betrug 46 Jahre (n=530). Es zeigte sich eine Zunahme der unspezifischen Symptome mit der selbst eingeschätzten Nähe zum Mobilfunksender für Müdigkeit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, depressive Tendenzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust und Schwindel.






