30. Juli 2010
rzte Magazin Medizin Medien Austria
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Diktieren Teil 1: Vom Wort zur Schrift

Das Abtippen von Besprechungen und Befunden ist eher mühsam. Spezielle Software und ein PC-Fußschalter versprechen einen um 30 Prozent verringerten Aufwand.

In der hessischen Universitätsstadt Marburg ärgerten sich zwei junge Doktoranden, dass sie ihre zahlreichen Interviews für ihre Doktorarbeiten mühsam von Band abhören und in ihre PCs eintippen mussten. So machten sich Thorsten Dresing und Thorsten Pehl daran, nach Mitteln zu suchen, die den mühsamen Weg des gesprochenen zum geschriebenen Wort abkürzen sollten. „Wir durchforsteten alle Softwaremöglichkeiten ohne zufriedenstellende Ergebnisse“, beschreibt Thorsten Pehl die ersten Anläufe von vor zwei Jahren. Das Fazit der beiden Wissenschafter:

- Spracherkennungssoftware ist für Gespräche mit mehr als einem Teilnehmer unbrauchbar. Daher muss für die Transkription von Band auf PC ein beschleunigender Modus entwickelt werden. „Wir wollten schneller tippen können“, formulierte Pehl die Vorgabe.

- „Spracherkennungssoftware

funktioniert nur, wenn eine Person diktiert“, so Thorsten Pehl. Voraussetzung sei allerdings intensives Training mit der Software und „etwas Gespür für EDV-Arbeit“, wie Pehl formuliert. Spracherkennungssoftware ist für allein arbeitende Mediziner wichtig, die ohne Hilfe von Mitarbeitern größere Mengen an Texten transkribieren müssen. Zu diesem Thema wird es in der kommenden Ausgabe des ärztemagazins mehr geben. Freie Hände. Die Marburger Jungakademiker Pehl und Dresing suchten Lösungen für jene Fälle, in denen es keine Alternative zum Abtippen gibt – Gesprächsprotokolle, Interviews etc. Sie fahndeten nach Bedienmöglichkeiten eines Computers, bei dem die Hände frei bleiben. „Immer, wenn es um das Zurückspielen von Akustikdateien oder die Eingabe von anderen Befehlen durch einen Mausklick nötig ist, wird der Arbeitsprozess unterbrochen“, ärgerte sich Pehl.

Das brachte ihn und seinen Kompagnon auf die eigentliche Geschäftsidee von audiotranskription.de: Die beiden entwickelten einen Fußschalter, der durch kurze Klicks Stopund Go-Befehle erteilen kann. Im Prinzip handelt es sich um eine „Fußmaus“ – und zwar nicht nur zum Anhalten und Rückspulen einer Transkripti onssoftware, sondern auch für die Bedienung anderer Software. Das Fußpedal wird direkt über den USB-Port eines Computers angeschlossen. Mit Hilfe dieses Fußschalters und einer eigens konzipierten und kostenfrei angebotenen Software (Download auf ihrer Seite) ist das Transkribieren direkt in Word und fast allen anderen Programmen möglich. Dresing und Pehl versprechen eine Zeitersparnis von 30 Prozent.

Hilfreiche Programme.

Für die Transkription der Audiodateien ist eine geeignete Software erforderlich. Programme wie der Windows Mediaplayer, iTunes oder andere eignen sich dazu nicht. Ihnen fehlen wesentliche Funktionen, die den Prozess des Transkribierens deutlich vereinfachen. Dabei geht es um die Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit, automatisches kurzes (ca. 1-2 Sekunden) Rückspulintervall bei Betätigen der Stopptaste, das Einfügen von Zeitmarken und Textbausteinen per Tastenkombination.

Auch dafür liefern die Marburger die richtige Software – und zwar ebenfalls kostenlos: Das von Informatikern entwickelte Transkriptionsprogramm f4 audio ist speziell auf das Abtippen von Audiodaten wie Interviews oder Diktaten zugeschnitten. f4 audio liest mp3, ogg, wma, wav, aif, avi und mpg-Dateien ein und ist auf der Homepage www.audiotran skription.de zum Downloaden.

Formatprobleme.

Bis eine Sprachdatei am PC abgespielt werden kann, müssen in der Regel aber etliche Hürden genommen werden. Denn die gebräuchlichen digitalen Diktafone pflegen nur selten die Sprache zu sprechen, die für die Audioprogramme am PC verständlich sind. Daher müssen die vorhandenen Audiodateien meist in MP3 umgewandelt werden. Dafür gibt es zahlreiche Programme.

Die beiden Jungunternehmer aus Marburg empfehlen mit Switch ein Programm, das besonders einfach zu bedienen ist, nahezu alle Dateiformate erkennt und – natürlich – kostenlos ist (http://switch.softonic.de). Das Besondere an dieser Konvertersoftware ist, dass auch digitale Diktiergeräteaufnahmen (DSS) oder viele andere Audioformate problemlos in MP3 umgewandelt werden. Somit können auch Besprechungen transkribiert werden, die mit Geräten von Olympus, Grundig oder Philipps aufgezeichnet wurden. Zudem ist das Programm äußerst klein. Transkribieren. Viele Aufnahmen werden heute aber noch mit Kassette oder MiniDisc gemacht. Um die Transkriptionssoftware auf dem PC zu nutzen oder per Mail zu versenden, ist eine Digitalisierung notwendig. Dazu muss das Aufnahmegerät oder der Kassettenrekorder über den Kopfhörer-Ausgang an den Line-In-Eingang des Computers angeschlossen werden. Der Line-In-Eingang ist meist durch eine blaue Umrandung und nebenstehendes Symbol gekennzeichnet.

Dann bedarf es wieder einer Aufnahmesoftware, die die Recorderfunktion am PC übernimmt. Audiotranskription.de empfiehlt dazu die MP3-Aufnahmesoftware „Recorder N°23“ (http://no23.de) und liefert auch eine detaillierte Bedienungsanleitung – kostenfrei natürlich. Das Einzige, wofür Geld genommen wird, ist der in Deutschland gefertigte gelbe Fußschalter. Kostenpunkt: 99 Euro.

Josef Ruhaltinger

© MMA 2006, ärztemagazin 6/2008

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